Nun komme ich zu einem der wichtigsten Punkte für Dich als künftige Mutter und künftiger Vater. Es lohnt sich, wenn Du Dich vor der Schwangerschaft über dieses Thema informierst und über Deine eigene Kindheit nachdenkst. So hast Du wirklich ausreichend Zeit, Dich damit zu beschäftigen.
Warum weinen erwachsene Menschen? Sie weinen aus Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit, Heimweh, Trauer, Wut, Angst, aber auch aus Freude, Rührung und Mitgefühl. Nach dem Weinen fühlen Menschen sich erleichtert, der Kloß im Hals ist weg, der Druck im Magen ist verschwunden, die Körperenergie ist wie gereinigt, fast wie die Luft nach einem Gewitter. Weinen entlastet den Körper – da wo er vorher angespannt war, ist er jetzt entspannt.
Der menschliche Körper reagiert auf unangenehme Gefühle genauso wie vor 1000enden von Jahren. Er stellt Energie zu Verfügung, um den Körper auf „Flucht“, „Kampf“ oder „Todesstarre“ vorzubereiten. Wird diese Energie nicht gebraucht, verbleibt sie im Körper und kann sich dort belastend auswirken, wenn keine Entlastung stattfindet. Nicht umsonst heißt es: „Er hat eine Wut im Bauch“. Wird der Ärger heruntergeschluckt, nie geäußert oder körperlich verarbeitet, kann diese Energie z. B. ein Magengeschwür verursachen.
Erwachsene haben viele Möglichkeiten, ihre Energien durch körperliche Anstrengung wieder zu klären, z. B.: durch Sport, Putzen, Singen, Tanzen, Radeln oder Wandern. Manche Menschen toben und schreien, andere sprechen mit einem guten Freund oder einer Freundin über ihren Kummer. Wenn sie sich gut kennen, lassen sie sogar ihren Tränen freien Lauf.
Durch Weinen, Zittern und Lachen kann sich der Körper auf ganz natürliche Art und Weise von belastenden Energien befreien und entspannen. Er kann sich also immer wieder ins Gleichgewicht, in seine Mitte bringen.
Babys weinen nicht nur, weil sie Hunger, Bauchweh, eine volle Windel haben, krank sind oder sich einsam fühlen. Sie haben von Anfang an alle Gefühle und können viele Gründe haben, um zu weinen: Abschiedsschmerz von der geistigen Welt, seelische Verletzungen während der Schwangerschaft, Ablehnung, Abtreibungsgedanken der Mutter oder des Vaters oder von beiden zu Beginn der Schwangerschaft, wenig oder kein Kontakt der Mutter zu ihrem Baby während der Schwangerschaft, belastende Geburtserfahrungen, Trennung von der Mutter nach der Geburt, Reizüberflutung, Schreck, fremde Menschen, Streit der Eltern. Babys heilen ihre Gefühle durch Weinen, die belastende Energie wird ausgeweint, sie entlasten sich, ihr Körper ist danach wieder entspannt.
Wie reagieren nun fast alle Erwachsenen einschließlich der meisten Eltern auf ein weinendes Baby? Sie wollen es so schnell wie möglich beruhigen, also die Ruhe wieder herstellen. Sie lenken es mit allen möglichen und unmöglichen Dingen ab, gehen hin und her und schuckeln das Baby auf und ab. Viele Eltern meinen, sie würden dem Baby damit etwas Gutes tun, und sie denken das Schreien und das Nach- Luft-Schnappen würde dem Baby schaden.
Eltern, die als Kind selbst nicht ausreichend weinen durften, werden durch ihr weinendes Baby unbewusst an ihre eigenen ungeweinten Tränen erinnert. Das Weinen macht sie oft hilflos, ungeduldig, wütend und zornig. Genau diese Gefühle spürt das Baby und das vergrößert seinen seelischen Kummer noch mehr. Babys merken sehr schnell, dass nur eine Seite, die sogenannte freundliche, von ihnen akzeptiert wird. Werden sie immer wieder mit neuen Methoden abgelenkt und vom Weinen abgehalten, schreien sie noch mehr, manche werden dann auch jedes Mal gestillt und gewöhnen sich schon früh an, Gefühle nicht zu äußern, sondern mit Essen herunterzuschlucken. Die Gedanken der Eltern können so oder so ähnlich ablaufen: „Was hast du bloß? Jetzt habe ich dich gestillt, du hast eine frische Windel, du hast doch keinen Grund mehr zu weinen. Schlaf doch bitte! Ich kann es bald nicht mehr hören. Was mach ich bloß falsch? Hör doch endlich mit dem Gebrüll auf! Wenn du nur schlafen würdest. Was sollen die Nachbarn denken, sie glauben ja, ich kann dich nicht beruhigen. Ich muss doch auch schlafen, morgen bin ich wieder übermüdet. Ich halt das nicht mehr aus. Ich weiß jetzt echt nicht mehr weiter...“ usw.
Die Eltern werden nervös, angespannt, ungeduldig, ärgerlich, verzweifelt, fühlen sich unfähig, haben keinen Zugang mehr zu ihrer Intuition und verlieren ihre Sicherheit. Sie erwarten voller Anspannung den Abend, wenn sie ihr Kind wieder zu Bett bringen sollen. Es ist außerordentlich wichtig, dass das Baby Gelegenheit bekommt, sich vor dem Schlafen zu entlasten, das heißt, es verarbeitet seinen Kummer. Für Babys ist das Weinen lebensnotwendig. Das Wort sagt es uns: Die Not im Leben des kleinen Wesens wird gewendet, d. h. die Seele findet den ihr einzig möglichen Ausdruck, um ihre Gefühle der Welt mitzuteilen, um den Körper zu entspannen: das Baby weint, weil es ihm hinterher besser geht. Je größer der Kummer, umso heftiger das Weinen.
Wenn wir Erwachsenen etwas erlebt haben, das uns gefühlsmäßig sehr betroffen gemacht hat, dann haben auch wir das starke Bedürfnis, unser Erlebnis jemandem zu erzählen, und zwar bevor wir uns zum Schlafen ins Bett legen. Wie wäre es für Dich, wenn Du gerade Deiner Freundin oder Deinem Freund erzählen wolltest, was Dir Schlimmes passiert ist und er oder sie würde Dich am Arm schütteln und auf Dich einsprechen: Hör doch auf! Was hast Du denn schon wieder? Sei doch ruhig!
Wir müssen vor dem Schlafen über unsere Erlebnisse sprechen, die uns am Tag stark belastet haben, sonst kreisen unsere Gedanken immer um das Erlebte und wir können schlecht oder gar nicht einschlafen. Genauso geht es dem Baby, das Weinen ist die einzige Sprache, in der es seine Gefühle äußern kann und Mama und Papa müssen die Gründe des Weinens nicht kennen, sie müssen nur akzeptieren, dass das Weinen vor dem Schlafen sein muss. Schläft das Baby durch das viele Ablenken irgendwann doch erschöpft ein, wacht es bald wieder auf und weint dann oft den „Rest“ seines Kummers aus, d. h. sein Körper ist noch nicht entspannt genug gewesen, weil es nicht lange genug weinen durfte.
Wenn das Baby weint, sollten gestresste Eltern ihre Aufmerksamkeit auf ihren eigenen Körper lenken, damit sie wieder tiefer atmen. Bei Stress atmen sie ganz flach und verlieren so den Kontakt zu ihrem Herzen und zu ihrer inneren Stimme. Durch ruhige und konzentrierte Bauchatmung und durch Hineinatmen in die angespannten Körperstellen lässt sich der Kontakt zum Herzen wieder herstellen.
Durch Masaru Emoto wissen wir, dass unsere Gedanken eine Macht haben. Eltern können ihrem Baby helfen, indem sie es während des Weinens, dicht an ihrem Körper halten, seinen Kopf in der Armbeuge und ganz leicht wiegen (nicht auf und ab schütteln!). Das Wichtigste beim Halten eines weinenden Babys ist, dass Eltern ihre Gedanken ändern! Wenn der Verstand überzeugt ist, dass das Weinen dem Baby gut tut, werden sich auch die Gefühle und mit ihnen die Sätze verändern. Eltern können zum Beispiel sagen: „Ich sehe und höre deinen Kummer, erzähl ihn mir; auch wenn du weinst, hab ich dich lieb; ich halte dich so lange fest in meinem Armen, bis es dir wieder besser geht; weine dich nur richtig aus, dann geht es dir bald wieder besser; ich lasse dich nicht allein, ich bleibe bei dir; weine nur, ich bin ja da und ich bleibe bei dir; auch mir ist manchmal zum Weinen zumute, auch mir tut es ab und zu gut, wenn ich mir meinen Kummer von der Seele reden kann“. So oder ähnlich sollten Eltern denken und leise und ruhig zu ihrem Baby sprechen.
Ein enger Körperkontakt während des Weinens schenkt dem Baby das Gefühl der Geborgenheit, es spürt die bedingungslose Liebe. Diese Liebe ist eine Erfahrung, die beide einbezieht: die Liebe des Menschen, der das Baby hält zu sich selbst und die Liebe zum anderen.
Durch das „in Liebe gehalten sein“, egal wie laut das Baby gerade schreit, entsteht in ihm ein tiefes Ur-Vertrauen zu seinen Eltern und zum Leben, eine enge Bindung, ein Gefühl der Sicherheit. Dies wird eine positive Wirkung auf sein ganzes späteres Leben haben.
An dieser Stelle wende ich mich wieder an Dich, liebe Leserin und lieber Leser, wenn Du Deine Kindheit zum Thema Weinen anschauen und alte Energie loslassen möchtest, empfehle ich Dir das Buch: „Warum Babys weinen“ von Aletha J. Solter. Nach jedem Kapitel werden Fragen und Aufgaben gestellt, die Deine eigene Kindheit betreffen, Du kannst Dir Deine Vergangenheit anschauen und schmerzhafte Gefühle heilen. Und weil es so wichtig ist, schreibe ich es zum Schluss des Kapitels noch einmal:
Eigene ungeweinte Tränen aus der Kindheit beeinflussen das Verhalten der Eltern beim Umgang mit ihrem weinenden Baby. Das Weinen erinnert sie unbewusst an ihren eigenen seelischen Schmerz in der Kindheit, den sie nicht noch einmal fühlen möchten. Deshalb wollen sie so schnell wie möglich, dass ihr Baby wieder ruhig wird. An dieser Stelle nochmals mein Hinweis an Dich: Beschäftige Dich vor der Zeugung mit diesem Thema, dann verwechselst Du später nicht Deine früheren Bedürfnisse mit denen Deines Babys.

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